Mit dem Messerflug durch die Luft zischen
Luftsport-Club will mehr junge Menschen fürs Modellfliegen begeistern / Bedauern über Fest-Samstag
Ein Hobby mit Nervenkitzel: Der Vereinsnachwuchs Liam, 12,(links)und Floris,14, (rechts) sowie der Jugendbeauftragte Dominic Becker (39) sind große Fans vom Modellfliegen.
Foto: EVA-MARIA HOMANN
„Das ist ein Messerflug“, demonstrierte Floris und ließ sein Modellflugzeug in Seitenlage durch die Luft zischen. Auch Loopings, Rolle und der Turn sind für den 14-Jährigen kein Problem mehr. Er nahm am Wochenende zum zweiten Mal am Modell-Schaufliegen des Kelkheimer Luftsport-Clubs (KLC) teil. Seit 2008 zeigen die Mitglieder an einem Wochenende jährlich Kunstflüge mit Musik, schnelle Jets oder Oldtimerauf dem Fluggelände zwischen Münster und Hofheim.
Sie hätten noch nie richtig schlechtes Wetter gehabt, überlegte der Vorsitzende Wolfgang Eisenberg. „Wollt ihr mal“: Zuschauer zeigten sich überrascht, wenn er ihnen anbiete, eine Runde zu fliegen. Es gebe derzeit etwa 30 aktiv fliegende Mitglieder. Liam kommt seit zwei Jahren aus Bad Soden zum KLC, sein Papa fliege ebenfalls. „Ich mag das Geräusch“, erzählte der Zwölfjährige.
Floris ist wiederum über das „Modell-Schnupperfliegen“ zu seinem Hobby gekommen. Das findet am Sonntag, 20.September, ab 10 Uhr erneut auf der Anlage unterhalb des Gewerbegebiets statt. Er habe zuvor Autos und Drohnen ferngesteuert, das dreidimensionale Modellfliegen biete jedoch mehr Möglichkeiten. Abstürze habe er schon erlebt, das sei ja gerade der Nervenkitzel, den Flieger in der Luft zu halten. Aus der Jugendkasse hat ihm der Verein zu Weihnachten ein Modellflugzeug gesponsert. Das 60 Zentimeter lange und 50 Zentimeter breite Fluggerät aus dem Werkstoff Superboard habe er mit dem Jugendbeauftragten Dominic Becker zusammengebaut.
Jugendleiter sieht „Adrenalin pur“
Modellfliegen habe ihn immerschon gereizt,erzählt der 39 Jahre alte Kfz-Mechatroniker. VordreiJahren sei er über einen Kumpel zum Verein gestoßen. Mit Schulungsleiter Thomas Petri habe er einen guten Lehrer gefunden. „Nach meinem ersten Flug war ich nach kurzer Zeit so kaputt, wie nach einer Woche Arbeit“, gab Becker zu. Jetzt nutze er jede freie Minute. Was ihn reize? Modellfliegen sei eine ruhige, schöne Freizeitbeschäftigung mit Dimensionen, in der man sich sonst nicht bewege. Die Modelle würden größer, schneller: „Adrenalin pur." An der Jugendarbeit schätze er, dass die jungen Leute Interesse hätten, zu lernen, sie seien erfrischend risikofreudig.
Mit Raphael Mendonca Viega (15) hat Becker im Juni einen ersten Platz bei der regionalen Jugendmeisterschaft Hessen in der Motorflug-Expert-Klasse errungen. Wichtigist den KLCern, dass Eltern erst einmal keine Investition tätigen müssten, wenn die Kinder Geschmack am Modellfliegen finden würden. Vereinsflieger und Fernsteueranlage sind vorhanden. Über die E-Mail
Schnupper- und Neujahrsfliegen
„Wir sind außerdem eine tolle Gemeinschaft und haben Skylineausblick“, warb Petri. Ein weiterer Termin zum Kennenlernen ist am Freitag, 1. Januar 2027. Dann startet ab 12Uhr das traditionelle Neujahrsfliegen. Dazu gibt es Bratwurst, Brötchen, Glühwein und heißen Orangensaft.
Aktive Frauen gibt es im Verein nur zwei. Eine von ihnen ist seit drei Jahren Julia aus Hofheim. Stolz ist die 19-Jährige auf ihren großen Heli Logo 700. Mit einem Hubschrauber könne mann icht nur geradeaus fliegen, sondern auch rückwärts, seitwärts und senkrecht in die Höhe aufsteigen. Finanziert hat sie den Heli aus eigenen Ersparnissen, das gebrauchte Modell habe sie um die 1500 Euro gekostet. Geschult wurde sie von Julian (22). Er fliegt seit 19Jahren, als Dreijähriger zunächst am Simulator, dann ging es ins Gelände. Mit Julia habe er eine perfekte Schülerin: Sie macht eine Ausbildung zur Fluggeräte-Mechanikerin. „Sie wird es noch weit bringen“, ist sich Vorsitzender Eisenberg sicher. Gastpiloten habe der Verein in diesem Jahr nicht so viele gewinnen können, es habe andere parallele Veranstaltungen gegeben. Bei den Benzinpreisen merkten sie zudem, dass sich viele nicht mehr auf weitere Wege machten.
Nicht gegenseitig Konkurrenz machen
Der Flugfest-Samstag war spärlicher besucht, als der Sonntag. Einen Grund darin sieht Eisenberg darin, dass die Stadt Kelkheim gleichzeitig das Freibadfest veranstaltete. Dabei sei das Modell-Schaufliegen im Kalender eingetragen gewesen. Die Stadt frage bei größeren Veranstaltungen häufig an, ob sie Drohnenaufnahmen machen könnten. „So geht das nicht, dass wir uns gegenseitig Konkurrenz machen“, ärgert sich Eisenberg. Er werde das Gespräch mit der Stadt suchen.
Infos zum Verein
Informationen zum Kelkheimer Luftsport-Club gibt es im Internet unter www.klc-ev.de.
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